Litauen - Lietuva: Vilnius–Wilna und Kursiu nerija–Kurische NehrungReise Nr. 68 Themen unserer Reise ins geographische Zentrum Europas: Reiseverlauf:1. Tag:Abfahrt ab Berlin (ca. 17.30 Uhr) mit dem EC nach Warschau (Ankunft ca. 23.00 Uhr), Übernachtung in Warschau 2. Tag:3. Tag:4. Tag: Jerusalem des Nordens5. Tag: Der Kampf um Unabhängigkeit und die Hauptstadt des neuen LitauenTreffen und Gespräch mit einem ehemaligen GULAG-Häftling, Führung durch das KGB-Museum, Besichtigung des Fernsehturmes und des Denkmals vor dem Parlament Exkursion nach Trakai: 6. Tag:Fahrt mit dem Reisebus nach Kaunas: Die 'Vorläufige Hauptstadt' der Zwischenkriegszeit und ihre Geschichte (Führung durch die Altstadt mit Marktplatz, Kathedrale, Synagoge u. a.). Weiterfahrt nach Nida/Nidden. 7. Tag: Die litauische SaharaBesteigung der Hohen Düne. Führung durch Nidden (alter Dorfkern, Hafen, Bernstein-Galerie u. a.). Zeit zur freien Verfügung. Literarischer Kaminabend im Thomas-Mann-Haus. 8. Tag:9. Tag:Ankunft in Kiel (ca. 12.00 Uhr) Jerusalem des Nordens und Litauische SaharaDie Litauer gelten als ”die letzten Heiden Europas” (Czesław Miłosz), da sie erst 1386 – durch die Heirat des litauischen Großfürsten Jogaila (Jagiełło) mit der polnischen Thronfolgerin Jadwiga, einer Zweckehe gegen die Bedrohung durch den Deutschen Ritterorden – den katholischen Glauben annahmen. Durch die hiermit vollzogene Personalunion wurde Polen-Litauen zum größten Flächenstaat Europas. Der Katholizismus breitete sich in Litauen so rasant aus, dass die Reformationsbewegung wenig Land sah. Im Zuge der Gegenreformation wurden in Wilna von den Jesuiten und etlichen anderen Ordensgemeinschaften so viele Klöster und Kirchen errichtet, dass man es ”Heilige Stadt” und ”Rom Osteuropas” nannte. Nach 1386 polonisierte sich der litauische Adel, eine litauische Nationalsprache und -kultur entwickelte sich erst wieder ab dem 19. Jahrhundert. Die polnische kulturelle Hegemonie in der Stadt am Zusammenfluss von Vilnia und Neris konnten auch die zwischenzeitlichen schwedischen (1700-1721) und russischen (1795 bis zum 1. Weltkrieg) Herrschaftsträger nicht in Frage stellen. Noch heute ist Wilna tief im polnischen Nationalbewusstsein verwurzelt. Dafür stehen u.a. auch die Namen von Mickiewicz, Słowacki, Piłsudski, Dzierżyński und Miłosz. Gleichzeitig war Wilna auch immer eine Vielvölkerstadt: neben Polen lebten hier v. a. Litauer, Juden und Weißrussen. ”Jérusalem de Lituanie”Den anderswo verfolgten Juden wurden im Litauen des 14. Jahrhunderts von Großfürst Vytautas weit reichende Privilegien und Asyl gewährt. Zunächst allerdings nicht in Wilna, lange Zeit hatte die Stadt das ”Privileg” de non tolerandis judaeis. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand die erste jüdische Gemeinde. Die weitere Entwicklung verlief jedoch so rasant, dass Napoléon das Wort vom ”Jérusalem de Lituanie” prägen konnte. Lange Zeit galt das jüdische Wilne als Bollwerk der Orthodoxie. Bedeutendster Vertreter der rabbinischen Tradition gegen Haskala und Chassidismus war der ”Gaon von Wilna” (18. Jh.). Erst gegen Anfang des 20. Jahrhunderts setzte ein dynamischer Modernisierungsprozess ein, der hier nur sehr bruchstückhaft mit der Gründung des ”Bund” (1897) und des ”Yidisher Visenshaftlecher Institut” (YIVO) (1925) angedeutet werden kann. Nach den kurzen Perioden litauischer (1939/40) und sowjetischer (40/41) Herrschaft (die auf die polnische Annexion Wilnas 1920 folgten, die Kaunas zur Zwischenkriegshauptstadt Litauens gemacht hatte) begann die deutsche Besatzung. Unter ihr wurden fast alle Wilnaer Juden – unter litauischer Mithilfe – im Ghetto und im Wald von Paneriai ermordet. Die heute ca. 5.000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde knüpft einerseits zaghaft an die frühere Tradition an, wird aber andererseits durch die Emigration vieler Juden immer kleiner. Sowjetisierung und Kampf um UnabhängigkeitIn der Sowjetzeit wurden 250.000 Litauer in die stalinistischen Lager deportiert, viele Polen nach Danzig und Thorn ”ausgesiedelt”, die kulturelle Vielfalt weiter nivelliert. Das Ringen der Litauer um die staatliche Unabhängigkeit ab Ende der 1980er Jahre war mit vielen Schwierigkeiten und Opfern verbunden (Angriff der sowjetischen Truppen auf den Wilnaer Fernsehturm im Januar 1991), letztlich aber doch erfolgreich. Der unabhängige Staat ist seither dabei, weit reichende Reformen der politischen und wirtschaftlichen Strukturen umzusetzen. Diese Bemühungen wurden 2004 mit der Aufnahme in die EU ”belohnt”, doch ist das politische Spektrum des Landes durch Instabilitäten und Anfälligkeit der Bevölkerung für populistische Kandidaten geprägt. Klaipeda/MemelEine etwas andere historische Entwicklung als der Rest des heutigen Litauens nahm das Memelgebiet im Westen des Landes um die Stadt Memel/Klaipeda. Die Region war zunächst von baltischen Stämmen besiedelt, fiel 1422 an den Deutschen Orden und war dann ab 1525 vierhundert Jahre Teil Preußens. Im Versailler Vertrag von 1919 wurde die Abtrennung des Memelgebiets von Deutschland und seine Unterstellung unter alliierte Aufsicht verfügt, bis litauische Freischärler es 1923 annektierten. 1924/25 trat die Memelkonvention in Kraft. Das Gebiet war nun autonom, unterstand aber litauischer Staatshoheit, bis es im März 1939 von Hitler dem Deutschen Reich angeschlossen wurde. In der litauischen Sowjetrepublik war Klaipeda bis 1987 militärisches Sperrgebiet und ”geschlossene Stadt”, heute zeigt sich die drittgrößte Stadt Litauens offen und dynamisch. Kuršiu nerija/Kurische NehrungDie 96 km lange Kurische Nehrung trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Bereits im 16. Jh. hatte man auf dem schmalen Landstreifen mit der Rodung der Wälder begonnen. Die Wanderung der Dünen war die Folge, viele Dörfer wurden unter dem Sand begraben. Im 19. Jh. begann man mit der Aufforstung. Zu Beginn des 20. Jh. entstand in Nidden eine Künstlerkolonie, in der u.a. die Maler Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Ernst Mollenhauer lebten, Thomas Mann ließ sich 1929 dort ein Sommerhaus bauen. Seit der litauischen Unabhängigkeit ist die Nehrung zwischen Litauen und dem Kaliningrader Gebiet aufgeteilt, beide Teile wurden 1991 zu einem Nationalpark erklärt. Die steigenden Touristenzahlen sind wirtschaftlich wichtig, ökologisch problematisch und überhaupt kein Wunder. Wusste doch 1809 schon Wilhelm von Humboldt: ”Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebensogut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll.” Im Reisepreis enthalten
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