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Lettland - Latvija: Riga/Riga, Kuldiga/Goldingen und Liepaja/Libau

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Reise Nr. 75

Auf unserer Reise in die ehemalige Hauptstadt des Deutschen Ritterordens, alte Hansestadt, zeitweilig zweite Kapitale Schwedens und Gouvernementszentrum des zaristischen Russland, zwischen den Kriegen des 20. Jahrhunderts und seit 1991 wieder Hauptstadt des unabhängigen Lettland) und in die Hafenstadt Liepaja/Libau befassen wir uns mit folgenden historischen und aktuellen Aspekten:

  • Die 800-jährige Geschichte Rigas (Jugendstilhaupstadt Europas, (nicht nur) architektonische Zeugnisse der verschiedenen Herrschaftsträger
  • Das jüdische Riga und seine Zerstörung (Synagoge, ehemaliges Ghetto in der 'Moskauer Vorstadt', Erschießungsorte in den Wäldern von Biķernieki und Rumbula
  • Kampf um die Unabhängigkeit und Erbe des Kommunismus
  • Die Situation der russischen Minderheit
  • Lettische Poesie: ”LiteraTour” durch Riga
  • Kurland: Leben auf dem Lande - romantisches Kuldiga - facettenreiches Liepaja
  • Treffen und Gespräche u.a mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und der russischen Minderheit, einem Politologen, einer Germanistin, einem Übersetzer

    Lettland - Latvija: Riga/Riga, Kuldiga/Goldingen und Liepaja/LibauLettland - Latvija: Riga/Riga, Kuldiga/Goldingen und Liepaja/Libau

    Reiseverlauf:

    1. Tag:

  • Individuelle Anreise nach Riga (Die An-und Abreise per Bus, Schiff oder Flug zum günstigsten Tagespreis können Sie gerne über uns gleich mitbuchen)
  • Zeit für erste Erkundungen

    2. Tag:

    Annäherung an die 800-jährige Geschichte Rigas: Ausführlicher Altstadtspaziergang (Johanniskirche, Konventhof, Petrikirche, Schwarzhäupterhaus, Rathaus, Dom, Schloss u.a.), Jugendstilhauptstadt Europas: 'Spezialspaziergang' zur Architekturgeschichte um die Jahrhundertwende und zur Zwischenkriegszeit)

    3. Tag: Das 'jüdische Riga':

    Besuch der Synagoge in der Rigaer Altstadt, Busfahrt mit Ausstiegen über das Gelände des ehemaligen Ghettos in der 'Moskauer Vorstadt' und zu den Erschießungsorten in den Wäldern von Rumbula und Bikernieki unter Begleitung eines Zeitzeugen, Gespräch im Jüdischen Gemeindehaus über die aktuelle Situation der Rigaer Gemeinde

    4. Tag: 'Jüngste Geschichte und aktuelle Situation Lettlands'

    Fahrt mit der Straßenbahn zum alternativen Kulturzentrum Andrejsala im Hafen Rigas, dort Gespräch mit einem russischsprachigen Publizisten über die Lage dieser Minderheit, Führung durch das Okkupationsmuseum (NS-Okkupation und Sowjetzeit), Gespräch mit einem Politologen über die aktuelle Lage in Lettland, Literarischer Abendspaziergang in Riga mit einem Übersetzer und Lyriker

    5. Tag: 'Durchs ländliche Lettland'

    Fahrt mit dem Reisebus nach Liepaja/Libau mit Zwischenstationen in:

  • Riga: Moderne Architektur auf der Halbinsel Kipsala und Holzarchitektur im Stadtteil Pardaugava
  • Lozmetejkalns: Besuch des Museums der Weihnachtskämpfe (Informationen zum Ersten Weltkrieg in Kurland)
  • Kuldiga ('eine der schönsten Städte Lettlands'): Kirchen der verschiedenen Epochen in einer fast unzerstörten mittelalterlichen Altstadt, Stromschnelle der Venta (einer der breitesten Wasserfälle Europas) u.a.

    6. Tag: 'Fischerdorf - geschlossener Kriegshafen - alternative Hauptstadt'

    Ausführlicher Spaziergang durch die Altstadt Liepajas (Hl. Dreifaltigkeitskirche, Peterhaus, St. Anna Kirche, Petermarkt, Strandpark u.a.), Fahrt durch die Neustadt zum Stadtteil Karosta (früherer Kriegshafen) mit Halt bei den Dünen von Skede und Besuch der Gedenkstätte am Erschießungsort der Libauer Juden, Besichtung der Überreste der in zaristischer Zeit gebauten Befestigungsanlagen, Kasernen und der Garnisonskirche), Besuch der Künstlerkolonie ”K@2” und Gespräch mit einem der Initiatoren über deren Sozialarbeit

    7. Tag

    Individuelle Abreise (wir beraten Sie gerne)

    Zwischen nationaler Selbstbehauptung und europäischer Integration

    Die heute größte Stadt des Baltikums wurde 1201 vom Bremer Domherrn Albert gegründet und diente zunächst als Hauptstützpunkt der Deutschen Ordensritter zur Unterwerfung der heidnischen baltischen Stämme. Schon kurz nach der Gründung entstanden der Dom, die Petri- und die Jakobikirche, deren drei Türme als das Wahrzeichen Rigas gelten. Nicht viel später kam es zu Konflikten zwischen dem Bischof und den Ordensrittern um die Macht in der Stadt, aus denen letztere als Sieger hervorgingen. Riga blieb damit bis zum Ende des 16. Jh. Hauptstadt des Ordensstaates.

    Infolge des 1282 erfolgten Beitritts zur Hanse wurde Riga zu einer der wichtigsten Ostseehandelsstädte. Für ”Nichtdeutsche” hingegen, die lediglich zu Hilfsarbeiten herangezogen wurden, bedeutete die Hansezugehörigkeit weitgehende Rechtlosigkeit.

    Wechselnde Herrschaftsträger

    Deutsche dominierten als Bischöfe, Bürgermeister und Kaufleute auch noch lange das Geschehen in der Stadt, nachdem der Ritterorden im Zuge des Livländischen Krieges vom Zarenreich besiegt worden war. Gewissermaßen als ”Nebenprodukt” der Ritterniederlage kam Riga als Hauptstadt des Herzogtums Kurland 1581 unter polnische Herrschaft. Die Polen wurden 1621 von den Schweden als Herrschaftsträger abgelöst, die die Siedlung an der Daugava (Düna) 1660 zur 2. Hauptstadt Schwedens ”ernannten”. Infolge des Nordischen Krieges fiel Riga 1710 ans Zarenreich und blieb bis zum 1. Weltkrieg russisch.

    Trotz nationaler Festigungsbestrebungen der Herrschaftsträger bildete sich im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung eine Mehrvölkergesellschaft heraus. Zunächst außerhalb in der ”Moskauer Vorstadt”, wo vieles, was innerhalb der Stadtmauern unter Verbot stand, möglich war.

    Zwar wurden Juden bereits im 16. Jh. erstmals urkundlich erwähnt, die ”offizielle” Gemeindegründung fand jedoch erst drei Jahrhunderte später statt. Der Zuzug von chassidischen weißrussischen und russischen Juden – Riga wurde zu einem Zentrum der CHaBaD-Bewegung – erweiterte die Vielfalt jüdischen Lebens. Von noch größerer Bedeutung war im 19. Jh. die Gemeinde der russischen Altgläubigen. Ins selbe Jahrhundert fiel das lettische ”nationale Erwachen”, es entstand die Bewegung der ”Jungletten”.

    Eine dynamische industrielle Entwicklung ging mit großen sozialen Spannungen einher, die sich in der Revolution 1905 in Riga besonders stark entluden. Eine andere Folge der rasanten Industrialisierung war ein Bauboom, der dazu führte, dass ein Drittel der Innenstadt aus Jugendstilbauten besteht.

    Unabhängiges Lettland

    Nach der Februarrevolution 1917 gehörte Riga für kurze Zeit zum Deutschen Reich, bis am 18.11.1918 das unabhängige Lettland proklamiert wurde. In der Zwischenkriegszeit verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Hauptstadt, wichtige Bauten wie das Freiheitsdenkmal und der Bruderfriedhof entstanden. Die wichtigsten Minderheiten (Russen, Juden, Deutsche) genossen Kulturautonomie, gerieten aber ab Mitte der 1930er Jahre, in denen Lettland zu einem autoritär regierten nationalistischen Staat wurde, zunehmend unter Druck. Nach dem Molotov-Ribbentrop-Vertrag begann am 17.6.1940 die sowjetische Okkupation Rigas mit NKWD-Terror und Deportationen. Die deutschbaltischen Rigenser wurden ”heim ins Reich” geholt.

    Ein Jahr später (1.7.1941) marschierte die Wehrmacht ein. Riga wurde zur Hauptstadt des ”Reichskommissariats Ostland”. In der ”Moskauer Vorstadt” installierten die Besatzer ein Ghetto, das nach der Ermordung der Rigaer jüdischen Bevölkerung zur Durchgangsstation zehntausender deutscher Juden wurde. In den umliegenden Wäldern und den Konzentrationslagern Salaspils (Kurtenhof), Jungfernhof und Kaiserwald ermordeten Deutsche und lettische Kollaborateure 200.000 Juden. Nach dem Einmarsch der Roten Armee im Oktober 1944 wurden wiederum Zehntausende Menschen ostwärts deportiert. Lettland wurde sowjetisiert, die Bevölkerungspolitik machte die Letten zur Minderheit im eigenen Land. In den Jahren nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1991 hat der Staat den Spagat zwischen nationaler Selbstbehauptung und europäischer Integration geschafft. Im Mai 2004 wurde Lettland EU-Mitglied. Zwar zählt der östliche Landesteil Latgale/Lettgallen zu den strukturschwächsten Regionen der erweiterten EU, die Hauptstadt jedoch fungiert als Drehscheibe für Kapital, Arbeitskraft und kulturelles Leben.

    Kurland

    In der Region zwischen Ostseeküste, der Rigaer Bucht und dem Fluss Daugava/Düna siedelten einst die westfinnischen Kuren, die sich länger als die meisten anderen Völker auf dem Gebiet des heutigen Lettlands gegen die verschiedenen Eroberer behaupten konnten. 1561 wurde Kurland zum Herzogtum, Herzog und Ex-Ordensmeister Gotthard Kettler machte Kuldiga zu seinem Herrschaftssitz, das bis zur Ablösung durch die Stadt Mitau/Jelgava im Jahre 1617 die Hauptstadt blieb. Politische und wirtschaftliche Bedeutung nahm die Region vor allem im 17. Jahrhundert unter Herzog Jakob ein: Manufakturen entstanden und der Handel reichte bis nach Afrika.

    Das romantisch anmutende Kuld?ga ist mit seinem gut erhaltenen Ensemble von Kleinstadtbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, zu denen u.a. das älteste Holzhaus Kurlands (1670) gehört, auch als ”Venedig Lettlands” bekannt.

    Liepaja ist mit 85000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Lettlands, wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt und war zunächst ein einfaches Fischerdorf. Erst langsam entwickelte sich hier ein Handelszentrum, 1625 erlangte der Ort das Stadtrecht. Im zaristischen Russland kam es zu einer regen Bautätigkeit und im 19. Jh. legte man hier einen Kriegshafen an, der zu sowjetischer Zeit weiter ausgebaut wurde - Liepaja wurde eine der 'geschlossenen Städte'. Nach Erlangung der Unabhängigkeit und einer Phase großer sozialer Probleme erlebte die Stadt einen neuen Aufschwung und gilt heute mit einer neu entstandenen und wachsenden Szene von Restaurants, Bars und Klubs als Alternative zur immer stärker vom Kommerz beeinflussten Hauptstadt.

    Im Reisepreis enthalten

    • Vorbereitungsmaterialien
    • 6 Übernachtungen im DZ (Bad, WC) in den Mittelklassehotels "Radi un Draugi" (sympathisches Haus in der Altstadt) in Riga (4) und "Europa City" (altstadtnah) in Liepaja (2)
    • Halbpension (6 Tage)
    • Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL und lettische Reiseleitung)

    • Mindestteilnehmerzahl: 8
    • Maximale Teilnehmerzahl: 20

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