Weißrussland - BelarusReise Nr. 67 Eine Reise in ein Land und eine Stadt, die mehr zu bieten haben als ihr Ruf: eine lange Geschichte unter verschiedensten kulturellen und politischen Einflüssen sowie ein bewegtes 20. Jahrhundert. Als wichtiges Transitland für Warenströme zwischen Ost und West ist es trotz des autoritären Regimes ins moderne Europa eingebunden. In der vom Flüsschen Svisloc und zahlreichen Parks durchzogenen Anderthalbmillionenstadt Minsk gibt es nicht nur breite Prachtboulevards im sowjetischen Zuckerbäckerstil, sondern auch Zeugnisse konstruktivistischer Architektur aus den 1920er Jahren und malerische Altstadtgassen. Darüber hinaus findet sich viel Entdeckenswertes hinter den Kulissen, nicht zuletzt wunderbare Menschen, die von 'Europa' nicht vergessen werden wollen, sind sie doch auch ein Teil davon. Themen der Reise: Reiseverlauf:1. Tag:2. Tag:3. Tag: 'Weißrussische Opfer zweier Diktaturen'4. Tag: Das jüdische Minsk5. Tag:6. Tag:7. Tag:8. Tag:9. TagMehr als eine sozialistische Musterstadt'Der sozialistische Realismus in der Literatur wird erst dann ein wahrhaft sozialistischer Realismus sein, wenn es gestattet sein wird, einen Roman mit den Worten zu beginnen: 'Minsk ist die langweiligste Stadt der Welt''. Originell gebrüllt, Brecht! Aber wieder mal falsch. Man muss die im 2. Weltkrieg zu 90% zerstörte Hauptstadt Weißrusslands nicht unbedingt schön finden, aber interessant ist sie allemal. 1067 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte Minsk damals zum Fürstentum Polacak/Polozk, das heute als eine Art Kernform des weißrussischen Staatsgebildes angesehen wird. Dieses und die weiteren weißrussischen Fürstentümer wurden nach der Vereinigung Litauens und Polens in den Jahren 1385/86 Teil der polnisch-litauischen Union, die im Jahre 1569 zum größten Flächenstaat Europas wurde. Während sich der weißrussische Adel polonisierte und zum Katholizismus konvertierte, blieb die Bauernschaft orthodox und nahm nach der Kirchenunion von Brest 1596 mehrheitlich den unierten Glauben an. Weißrussisch war bis 1697 Kanzleisprache des Polnisch-Litauischen Königreichs und die drei Litauischen Statute aus dem 16. Jahrhundert, die zu den bedeutendsten Gesetzessammlungen des damaligen Europa zählten, wurden auf weißrussisch verfasst. Nach den Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts gehörte fast das gesamte Gebiet des heutigen Weißrussland zum Russischen Reich, das eine starke Russifizierungspolitik verfolgte. Der überwiegende Teil der weißrussischen Bevölkerung lebte bitterarm auf dem Land und trotz der beginnenden Industrialisierung wanderten in den 1880er und 1890er Jahren etwa 1,5 Millionen Menschen aus. Wie viel Leid erträgt ein Volk?Im Ersten Weltkrieg wurde Weißrussland zum Schlachtfeld deutscher und russischer Truppen, nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk im März 1918 kam ein großer Teil des Landes unter deutsche Besatzung, während derer am 25. März 1918 die unabhängige Weißrussische Nationalrepublik ausgerufen wurde. Diese jedoch hielt nur bis zum Jahresende, am 1. Januar 1919 wurde die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik mit Waffengewalt etabliert. Nach dem Ende des polnisch-russischen Krieges kam der westliche Teil der Republik am 18. März 1921 durch den Frieden von Riga zu Polen, der östliche Teil mit Minsk wurde am 30. Dezember 1922 Bestandteil der UdSSR. Mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft ab 1928 begann der stalinistische Terror, dessen gewaltsamen Höhepunkt die erst 1988 aufgedeckten Massenerschießungen von 250.000 Menschen in den Jahren 1937 bis 1941 in Kurapaty/Kuropaty bei Minsk bildeten. Eine Woche nach dem Überfall auf die Sowjetunion erreichten die deutschen Truppen Minsk. Die jüdische Bevölkerung wurde im Minsker Ghetto und in Trascjanec/Trostenez, dem mit über 200.000 Toten größten deutschen Vernichtungslager auf dem Gebiet der Sowjetunion, ermordet. Minsk war ab November 1941 ebenfalls Ziel zahlreicher Deportationszüge aus dem Deutschen Reich. Eine wichtige Rolle im Kampf gegen die deutsche Besatzung spielten die Partisanen. Als 'Vergeltung' umstellte das SS-Sonderbataillon Dirlewanger am 22. März 1943 das etwa 50 km nordöstlich von Minsk gelegene Dorf Chatyn, trieb die Einwohner in der Dorfscheune zusammen, verbrannte sie und machte die Siedlung wie viele weitere weißrussische Dörfer dem Erdboden gleich. Eine eindrucksvolle Gedenkstätte erinnert seit 1969 an ihr Schicksal. Insgesamt verlor Weißrussland im Zweiten Weltkrieg etwa ein Viertel seiner Bevölkerung. Am 26. April 1986 explodierte das ukrainische Atomkraftwerk Tschernobyl, ein großer Teil des radioaktiven Fallouts ging über Weißrussland nieder, etwa ein Fünftel des Landes wurde kontaminiert, eine unbekannte Zahl von Menschen verstrahlt. Zahlreiche nichtstaatliche Initiativen bemühen sich seither um die Linderung der Folgen dieser Katastrophe. Die ersten postsowjetischen Präsidentschaftswahlen 1994 hoben mit dem Populisten Aljaksandr Lukašenka den Mann ins Amt, der das Bild Weißrusslands als letzte Diktatur Europas oder lebendiges Museum der Sowjetunion zu verantworten hat. Trotz aller Repression gibt es in Weißrussland heute zahlreiche Nichtregierungsorganisationen und private Initiativen, in denen sich hauptsächlich junge Menschen mit viel Mut und Kreativität für eine bessere Zukunft ihres leidgeprüften Landes engagieren. Vitebsk und Marc ChagallMarc Chagall wurde am 7. Juli 1887 in der Nähe von Vitebsk geboren. In der Stadt lebte er bis Ende 1906 und erhielt nach dem Schulabschluss seinen ersten Kunstunterricht bei Juri Pen. Nach Studienaufenthalten in St. Petersburg und Paris, gründete er 1918 in seiner Heimatstadt eine Kunstakademie. In Ihr unterrichteten neben anderen El Lissitzky und Kasimir Malewitsch. Nach Konflikten mit den beiden Suprematisten und der Moskauer Bürokratie trat er schon 1920 von der Leitung der Akademie zurück, zog zunächst nach Moskau und emigrierte 1923 nach Paris. Ohne seine Heimatstadt wiedergesehen zu haben, starb Chagall 1985. In Vitebsk befinden sich heute ein kleines Museum im Haus seiner Jugend und ein Kunstzentrum mit einer Auswahl seiner Werke. Im Reisepreis enthalten
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