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Sarajevo und Mostar

Bosnien-Herzegowina / Studienreisen
Reise Nr. 108

Themen der Reise:
  • Von der ”Slawischen Landnahme” zum bosnischen Königtum
  • Aufblühen und Zerfall des Osmanenreiches in Bosnien-Herzegowina
  • Jüdisch-sephardisches Leben seit dem 16. Jh.
  • Die österreichische Periode: 1878–1918
  • 'Die Schüsse von Sarajevo' am 28.6.1914
  • Bosnien-Herzegowina im Ersten und Zweiten Jugoslawien
  • 2. Weltkrieg: Ustaschas, Tschetniks, Nazis, Partisanen
  • Zerfall Jugoslawiens und Krieg in Bosnien-Herzegowina
  • Literatur: Andrić, Karahasan, Stojić, Jergović u.a.
  • Wiederaufbau und Rezivilisierung
  • Eine Exkursion in die Republika Srpska vermittelt Einblicke in die landschaftliche Schönheit und politische Kompliziertheit Bosnien-Herzegowinas
  • Durch zahlreiche Gespräche mit Einheimischen (Angehörige der drei großen Volksgruppen und der jüdischen Gemeinde, Repräsentanten ziviler Initiativen und internationaler Organisationen) erhalten Sie Informationen aus erster Hand.


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    Sarajevo und Mostar



    Reiseverlauf:

    1. Tag:
    Abfahrt ab München (ca. 23.00 Uhr) mit dem Nachtzug nach Zagreb (Ankunft ca. 8.30 Uhr).

    2. Tag:
    Weiterfahrt mit dem Reisebus nach Sarajevo (Zwischenstopps in Jajce und Trawnik). Ankunft in Sarajevo (ca. 18.30 Uhr).

    3. Tag:
    Geführter Spaziergang: Annäherung an die multikulturelle Geschichte und Gegenwart Sarajevos: Bosniaken, Kroaten, Serben, Juden. Osmanische, österreichische, jugoslawische Geschichte und ihre Widerspiegelung im Stadtbild (Moscheen, Kirchen, Synagogen, Märkte, Karawansereien, Nationalbibliothek, Rathaus, Post, Miljacka-Brücken). Kriegszerstörungen und Wiederaufbau. Besuch des Jüdischen Museums und Gespräch mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde.

    4. Tag:
    Bustour mit Ausstiegen: 'Rund um Sarajevo': Flughafen, 'Tunnelmuseum' jüdischer Friedhof, Quelle der Bosna, moslemischer Friedhof Alifakovac. Zeit zur freien Verfügung. Gespräch mit einem Experten zu den Themen: Die Lage der Flüchtlinge und Rückkehrer; Kriegsverbrecher und das Tribunal in Den Haag.

    5. Tag: Tagesexkursion in die Republika Srpska nach Višegrad und Foča mit Zwischenstopp in Goražde
    Das Massaker von Srebrenica. Besuch der Gedenkstätte zur Erinnerung an die erschossenen Männer und Jungs. Gang durch den Ort. Erkundung des Städtchens mit der ”Brücke über die Drina”. Leben und Werk des Literatur-Nobelpreisträgers Ivo Andrić.

    6. Tag:
    Gespräch mit einer Sarajevoer Journalistin: Die aktuelle Situation Bosnien-Herzegowinas und die Perspektiven. Zeit zur freien Verfügung.

    7. Tag:
    Abfahrt in die Herzegowina (Unterwegs: Informationen über Bosnien-Herzegowina im 2. Weltkrieg, Realität und Mythos der Partisanen). Besichtigung des Derwischklosters an der Quelle der Buna in Blagaj. In Mostar: Treffen mit Vertretern der bosniakisch-kroatischen Versöhnungsinitiative 'Mladi Most' (Junge Brücke).

    8. Tag:
    Spaziergang durch Mostar (Altstadt, Alte Brücke, Partisanendenkmal u.a.). Zeit zur freien Verfügung.

    9. Tag:
    Bahnfahrt nach Zagreb. Weiterfahrt (ca. 21.00 Uhr) mit dem Nachtzug nach München.

    10. Tag:
    Ankunft in München (ca. 6.30 Uhr).

    ”Herz mit drei Religionen”

    Im zerfallenden Jugoslawien besannen sich viele Angehörige der verschiedenen Volksgruppen, insbesondere Serben und Kroaten, plötzlich auf das Mittelalter. Denn irgendwann waren alle schon mal überall, so ließen sich Gebietsansprüche für die Neuaufteilung des postjugoslawischen Raums ”historisch begründen”. Folgt man dieser Logik, könnte man Bosnien-Herzegowina (im folgenden ”BiH”) auch Griechenland oder Italien zuschlagen. Denn vor dem Vordringen der Slawen (”Slawische Landnahme”, 7.-9.Jh.) siedelten hier verschiedene illyrische Stämme, gab es griechische Kolonien, bis die Römer das Gebiet um die Zeitenwende herum für Jahrhunderte ihrem Machtbereich einverleibten. Bis heute von Bedeutung ist das Kirchenschisma von 1054: BiH lag/liegt genau an der Grenzlinie zwischen Ost- und Westkirche. Ungefähr in die selbe Zeit fällt die erste urkundliche Erwähnung Bosniens (948) und die Politogenese einer Art bosnischen Staates, der sich im Verlauf des 12.-14. Jh. konsolidierte, es entstanden Festungen und Städte, ebenso die Grabmonolithkunst der Stećci.

    Wie die ”schönste Stadt des Orients”
    Die osmanische Besetzung des Landes wird im allgemeinen mit dem Jahr 1463 (Hinrichtung des letzten bosnischen Königs Stjepan Tomašević) verbunden, war jedoch tatsächlich ein 140-jähriger Prozess ab 1388.
    Nach dem ersten Schock zeigten sich bald auch positive Aspekte der neuen Macht. So gestaltete sich die Lage der Bauern günstiger als unter der niedergehenden Feudalherrschaft. In der Blütezeit des 16. und 17.Jh. wurde BiH urbanisiert, Straßen gebaut, ein Großteil der heutigen Städte gegründet. Eine wichtige Rolle spielte die Einrichtung des ”Vakuf” (”fromme Stiftungen” Einzelner für die Allgemeinheit): so entstanden Meisterwerke der Baukunst: Moscheen, Brücken (wie die berühmte Alte Brücke in Mostar und die Brücke über die Drina in Višegrad), Markthallen, Karawansereien. Im 16. Jh. verglichen Reisende Sarajevo begeistert mit Damaskus, ”der schönsten Stadt des Orients”.
    Wohl aufgrund der skizzierten Entwicklung in Verbindung mit erheblich besseren politischen und wirtschaftlichen Perspektiven konvertierten sehr viele Einwohner Bosnien-Herzegowinas zum Islam. Zwar galten die Angehörigen anderer Konfessionen als Bürger zweiter Klasse, jedoch waltete eine relative religiöse Toleranz. Davon zeugt auch die Aufnahme der in Spanien verfolgten Juden im 15 Jh., die die im 13./14. Jh. entstandene weltberühmte Haggadah mit nach Sarajevo brachten und die ”bosnische Mischung” durch ihre hebräisch- und ladinosprachige Kultur bereicherten.
    Religion wurde einziges Kriterium der Gruppenidentität, aus der sich später alle nationalen Besonderheiten und Divergenzen entwickelten. Das multikulturelle Mosaik profilierte sich: muslimisch-orientalisch (bosniakisch), katholisch-kroatisch, orthodox-serbisch, jüdisch-sephardisch.
    Ab der Niederlage bei Wien (1683), wurden die Türken schrittweise aus Europa zurückgedrängt, die innere Situation im Osmanischen Reich und in BiH war zunehmend geprägt von Stagnation und anarchischen Zuständen, die großen europäischen Veränderungen des 18. u. 19. Jh. gingen am Land größtenteils vorbei. Der osmanischen Macht den Todesstoß versetzte der Massenaufstand 1875/78. Der Berliner Kongress (1878) schlug BiH Österreich-Ungarn zu, mit dem ”offiziellen Auftrag” einer ”zivilisatorischen Mission”, vielmehr ging es dabei aber um ein machtpolitisches Gegengewicht zu Russland auf Balkan.


    Auf KuK folgen zwei Jugoslawien
    Die vierzigjährige KuK-Zeit war einerseits geprägt von einigen Modernisierungsbestrebungen in Handel und Industrie, die neu errichteten Bauten im modernen europäischen Urbanismus bilden, auch heute noch, einen interessanten Kontrast zu früherer orientalischer Architektur, die Landwirtschaft und andere Bereiche stagnierten weiter. Das Attentat des serbischen Studenten Gavrilo Princip auf das österreichische Thronfolgerpaar am 28.6.1914 war nicht ”der Auslöser” des 1. Weltkriegs, diente jedoch den ”Falken” in Berlin und Wien als willkommener Vorwand.
    Sowohl das Erste, monarchistische (1918–1941), als auch das Zweite, kommunistische Jugoslawien (1945–1991) waren – unter Zugeständnissen an die Kroaten – serbisch dominiert, die Muslime in BiH wurden ignoriert oder benachteiligt. Alltag, Kultur, Sprache wurden serbisiert. Erst ab Ende der 1960er Jahre verbesserte sich die Situation in BiH, machte die Zentralmacht Zugeständnisse an regionale Identitäten, was zu einem Aufblühen von Kunst, Kultur und Wissenschaft führte.
    Ein Problem des Zweiten Jugoslawien war die Verklärung und Teiltabuisierung der Vorkommnisse während des 2. Weltkrieges. Abgesehen davon, dass die bosnischen Juden und ”Zigeuner” von der kroatischen Ustascha im deutschen Auftrag an Ort und Stelle ermordet oder von den Nazis nach Auschwitz deportiert wurden (von 14.000 Juden kamen 12.600 ums Leben), brachten sich die drei einheimischen Hauptakteure - kroatische Ustaschas, serbische Tschetniks und Titos kommunistische Partisanen – gegenseitig um. Die bosnischen Muslime kämpften teilweise auf Seiten des Ustascha-Führers Ante Pavelić, setzten sich gleichzeitig gegen die kroatische Juden- und Serbenverfolgung ein, führten Verhandlungen mit Deutschland mit dem Ziel, BiH als autonome Provinz direkt Berlin zu unterstellen und bildeten die 13. SS-”Handzar”-Division, die wiederum später einen Aufstand gegen deutsche Offiziere richtete. All diese Gruppen sollten nach 1945 die gemeinsame jugoslawische Nation bilden.


    Unabhängigkeit, Krieg, Wiederaufbau
    In einem Referendum Anfang 1992 entschieden sich 2/3 der Bürger von BiH für die Loslösung von Jugoslawien. Kurz darauf beginnt der Krieg mit der Belagerung Sarajevos, den ”ethnischen Säuberungen” und weiteren Kriegsverbrechen. Zu betonen ist, dass es sich nicht um einen ”Bürgerkrieg” handelte. Vielmehr ist eine eindeutige zunächst serbische, dann auch kroatische Aggression und Expansion zu konstatieren. Muslimische Gruppen radikalisierten sich erst als Reaktion auf dieses Vorgehen und begingen dann freilich auch Verbrechen. Nachdem der kroatisch-bosniakische ”Krieg im Kriege” durch internationalen Druck gestoppt worden war, wurde Hans Koschnik im Frühjahr 1994 als EU-Administrator in Mostar eingesetzt.
    Insgesamt verhielt sich die internationale Gemeinschaft (EU, UNO, NATO) lange sehr zurückhaltend. Durch die Aufrechterhaltung des Waffenembargos bevorzugte sie de facto die serbische Seite. Erst nach dem Massaker in der UN-”Schutzzone” Srebrenica handelten die Internationalen entschlossener. Durch das Abkommen von Dayton (Dezember 1995) wurde der Krieg schließlich beendet, die Ergebnisse der ”ethnischen Säuberungen” im Prinzip jedoch festgeschrieben. Seither sieht sich das Land mit der Aufarbeitung der Kriegsfolgen konfrontiert.
    In den letzten neun Jahren ist einiges erreicht worden. Die ”Alte Brücke” in Mostar ist wieder hergestellt. Viele Gebäude Sarajevos erstrahlen in neuem Glanz, die zahlreichen Vertreter internationaler Organisationen sorgten in der bosnischen Hauptstadt für einen kleinen Wirtschaftsaufschwung, nach der jahrelangen Belagerung ist die Stimmung in der Stadt trotz der Probleme geprägt von Lebenslust und Dynamik. Ein Zeichen der Hoffnung darauf, dass die ”bosnische Mischung” durch den Krieg nicht gänzlich und auf Dauer entmischt wurde, sind die seit 1995 entstandenen interethnischen Initiativen, die sich für die Versöhnung zwischen den Volksgruppen einsetzen.


    Inklusivleistungen:

  • Vorbereitungsmaterialien
  • Bahnreise München - Zagreb - München im Liegewagen (6 - Bett - Abteile)
  • Busreise Zagreb - Sarajevo/Bahnreise Mostar - Zagreb
  • Alle Busrfahrten im Land
  • 5 Übernachtungen im DZ (Bad/WC) im Hotel 'Saraj' in Sarajevo (Mittelklasse, am Rande der Altstadt)
  • 2 Übernachtungen im DZ (Bad/WC) im zentral gelegenen Mittelklassehotel 'Bristol' in Mostar
  • Halbpension (7 Tage)
  • Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL und bosnische Reiseleitung)

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     Preise 
     Teilnehmer: 8-20 Pers.

    Reisedauer: 10 Tage

    Preis: ab 1.150,- €
  • Einzelzimmer: 100,- €
  • Schlafwagen München-Zagreb-München im 3-Bett-Abteil: 30,- €
  • Schlafwagen München-Zagreb-München im 2-Bett-Abteil: 60,- €
  • Eigene An- und Abreise bis/ab Sarajevo: -135,- €

    Alle Termine & Preise >
     

     Reisetermine 
     05.10. - 14.10.2012 verfügbar

    Legende:
    verfügbar = verfügbar
    ausgebucht = ausgebucht
     

     Abfahrtsorte 
     
    Ab / bis München
     

     Einreisebestimmungen 
     Bosnien-Herzegowina:
    Visumfrei für Bürger aus Deutschland, Österreich und Schweiz für 90 Tage. Notwendig sind: mindestens 3 Monate über den Aufenthalt hinaus gültiger Reisepass oder Personalausweis.
     

     Reiseveranstalter 
     Ex Oriente Lux Reisen GmbH
    Berlin, Deutschland
    AGB >
     

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    Letztes Update: 03.02.2012