Sankt Peterburg–Sankt Petersburg
Reise Nr. 96
Themen der Reise:
Reiseverlauf:
1. Tag:
2. Tag:
3. Tag:
4. Tag:
5. Tag: Literarisch-Künstlerisches St. Petersburg
6. Tag:
7. Tag: Fakultatives Programm
8. Tag:
9. Tag:
10. Tag:
Glanz- und Schattenseiten der westlichsten Stadt Russlands
Die Gründung der Stadt im Jahre 1703 – auf dem Reißbrett geplant, außerhalb des russischen Kernlandes angelegt, während des Nordischen Krieges (1700-1721) vorangetrieben – gleicht einem gewaltig-utopischen Akt. Etwa 100.000 Leibeigene und Zwangsarbeiter verlieren ihr Leben in den Sümpfen des Neva-Deltas, schnell schreiten die Arbeiten an Peter- und Paul-Festung auf der Haseninsel, Admiralitätswerft und Hafen voran. 1709 wird eine erste Schneise für den späteren Nevskij Prospekt durch den Wald gezogen, 1711 zieht der Hof aus Moskau um, und 1712 wird Sankt Peterburg – Sankt Pieterburch – Petropolis (hergeleitet sowohl vom heiligen Petrus als auch von Zar Peter I., dem mit 2,05 Metern auch physisch Großen) Hauptstadt des Russischen Reiches. Ende des 18. Jahrhunderts ist St. Petersburg eine der größten Städte Europas, die Bevölkerungszahl hat die 250.000er-Marke überschritten, vor allem importierte Architekten (Trezzini, Leblond, Rastrelli, Vallin de la Mothe, Quarenghi) haben ihr ein strahlendes Antlitz verpasst. Die ‚Hauptstadt des tragischen Imperialismus’ (Nikolai Anziferow), die Alexander Puschkin 1833 in seinem Poem ‚Der eherne Reiter’ eindruckvoll besingt, ist etabliert und für Russland hat sich das ‚Fenster nach Europa’ geöffnet.
Das 19. Jahrhundert ist in St. Petersburg gekennzeichnet durch die Herrschaft der Romanov-Zaren, die einerseits Stabilität garantieren und andererseits wichtige gesellschaftliche Reformen vernachlässigen, die Einbindung der Stadt in europäische Handels- und Ideenströme sowie eine mit der Industrialisierung weiter wachsende Bevölkerungszahl und entstehende soziale Spannungen – exemplarisch beschrieben in den Erzählungen Nikolaj Gogols und den Romanen Fjodor Dostojewskis, die beide die Lebenswelt der ‚kleinen Menschen’ in den Vordergrund stellen.
Erste Anzeichen organisierter Dissidenz stellen demokratisch gesinnte Offiziere dar, deren (”Dekabristen”-)Aufstand im Dezember 1825 niedergeschlagen wird. Ende des 19. Jahrhunderts strömt sozialdemokratisches, marxistisches und revolutionäres Gedankengut in die Stadt, 1905 wird eine friedliche Demonstration vor dem Winterpalais auf Befehl von Zar Nikolaus II. blutig aufgelöst – die erste russische Revolution endet mit etwa 1000 Toten auf dem Paradeplatz, führt zur Entstehung einer Arbeiterbewegung, bringt eine Liberalisierung des Regimes und den Übergang zum ”Scheinkonstitutionalismus” (Max Weber).
Umbrüche im 20. Jahrhundert
Gleichzeitig wird St. Petersburg zum ”Laboratorium der Moderne” (Karl Schlögel) – Intellektuelle, Künstler, Dichter wie Achmatova, Belyj, Blok, Jessenin, Majakowski und Mandelstam prägen mit ihren Werken den Mythos der Stadt neu und bringen sie ins Bewusstsein Europas zurück.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wird die Stadt aufgrund des zu deutsch klingenden Namens in Petrograd umbenannt, im Februar 1917 kommt es zu einem Generalstreik, in dessen Folge Nikolaus II. abdankt. Es beginnt die Periode der Doppelherrschaft – auf der einen Seite die bürgerliche ”Provisorische Regierung” unter Alexander Kerenskij, auf der anderen Seite der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat. Die Oktoberrevolution, vom Ablauf her eher ein Putsch, beginnt an der Neva, wirbelt das alte Russland durcheinander und verändert die soziale Struktur der Stadt radikal.
Nach Ende des 1. Weltkrieges verlegt die Regierung ihren Sitz nach Moskau. Aufgrund von Hunger, Terror und Bürgerkrieg sinkt die Einwohnerzahl Petrograds zwischen 1916 und 1920 von 2,5 Millionen auf gut 700.000, drei Tage nach Lenins Tod wird sie im Januar 1924 in Leningrad umbenannt.
Im Dezember 1934 wird der junge Leningrader Parteisekretär Sergej Kirov ermordet – die Tat ist der Beginn der stalinistischen ”Säuberungen”, die die Stadt als Konkurrentin der Zentrale in Moskau besonders hart treffen. Kaum hat sie sich davon erholt, beginnt mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion und mit dem schnellen Vorrücken der Heeresgruppe Nord am 8. September 1941 die Blockade Leningrads. Erklärtes deutsches Kriegsziel ist es, die Bevölkerung der Stadt systematisch auszuhungern. Im November 1941 sinkt die tägliche Brotration auf 125 Gramm, die Infrastruktur bricht zusammen und nur dank einer Verbindung über den zugefrorenen Ladoga-See kann die Stadt rudimentär versorgt werden. Nach knapp 900 Tagen endet die Blockade am 27. Januar 1944, insgesamt kommen etwa eine Million Menschen ums Leben, derer auf dem Piskarevskoe-Gedenkfriedhof im Norden der Stadt gedacht wird.
Von Mitte der 40er bis Ende der 80er Jahre verliert Leningrad politisch weiter an Einfluss, ausgelöst hauptsächlich durch Entscheidungen im rivalisierenden Moskau. Wirtschaftlich wird die Stadt zu einem Zentrum des militärisch-industriellen Komplexes ausgebaut und leidet daher besonders unter der Abgeschlossenheit des Eisernen Vorhangs. Es bilden sich jedoch langsam erste dissidentische Kreise, zu denen auch der 1972 des Landes verwiesene, spätere Literaturnobelpreisträger Josif Brodskij gehört.
St. Petersburg kommt zurück
Ausgelöst durch die Reformpolitik Michail Gorbatschows entsteht Ende der 80er Jahre eine Vielzahl von politischen, sozialen und kulturellen Initiativen. Ein Beispiel ist die Menschenrechtsorganisation ‚Memorial’, die sich zunächst mit der Aufarbeitung stalinistischer Repressionen beschäftigt, später zu einer der prominentesten Kritikerinnen der Kriege in Tschetschenien wird und 2004 für ihre Arbeit den Alternativen Nobelpreis erhält. In einer Volksabstimmung im September 1991 erhält die Stadt ihren alten Namen zurück, die Einwohner beginnen wieder damit, ihre Heimatstadt liebevoll ‚Piter’ zu nennen. St. Petersburg gelangt – spätestens mit den Feierlichkeiten zum 300-jährigen Stadtgeburtstag 2003 – wieder zurück ins Interesse der europäischen Öffentlichkeit. Zum neu aufpolierten Glanz gehören jedoch auch die Schattenseiten: ein Großteil der Bevölkerung hat durch die wilde Privatisierung im Rahmen der wirtschaftlichen Schocktherapie Anfang der 1990er und die Rubelkrise 1998 gleich zweimal ihre Ersparnisse verloren. Auf engstem Raum leben nun im Stadtzentrum arm und reich Gewordene zusammen, die Verwaltung macht wenig Geld für dringend notwendige Verbesserungen der maroden kommunalen Infrastruktur locker und so bietet die Stadt heute ein permanentes Wechselbild von goldenem Glanz, angenehmer Normalität und nicht zu übersehenden Schattenseiten.
Im Reisepreis enthalten
- Vorbereitungsmaterialien
- Visagebühr und - beschaffung
- Bahnreise Berlin–Warschau–Berlin im EC, Warschau–Minsk–Warschau und Minsk–St. Petersburg–Minsk im Schlafwagen (4 - Bett - Abteile)
- 5 Übernachtungen im DZ (Dusche/WC) im Mittelklassehotel 'Moskwa'
- Halbpension (6 Tage)
- Extrafrühstück am Ankunftstag
- Komplette Programmkosten (außer fakultatives Programm am 7. Tag), Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL, russische Reiseleitung)
Wunschleistungen
- Schlafwagen Berlin–St. Petersburg–Berlin im 2 - Bett - Abteil:
160,- € - Eigene Anreise bis/ab St. Petersburg:
-250,- € - Visumservice inkl. Konsulatsgebühren: ab
0,- €
- Mindestteilnehmerzahl: 8
- Maximale Teilnehmerzahl: 20
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