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Sankt Peterburg–Sankt Petersburg

Russland / St. Petersburg / Studienreisen
Reise Nr. 96

Themen der Reise:
  • “Venedig des Nordens” und “Fenster nach Europa”: Architektur und Stadtgeschichte
  • Petersburger Literatur (Puschkin, Gogol, Dostojewski, Belyj, Achmatova)
  • Das Phänomen der Weißen Nächte
  • Die 900-tägige deutsche Blockade im 2. Weltkrieg
  • Jüdisches Leben
  • Soziale Lage und Menschenrechte
  • Die Kunstszene seit Glasnost und Perestrojka
  • Die aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Situation Russlands
  • Durch zahlreiche Begegnungen mit Einheimischen (u.a. Vertreter der Menschenrechtsorganisation ‚Memorial’, Künstler, Journalist, Obdachlosenprojekt) erhalten Sie Informationen aus erster Hand zu Stadtgeschichte und russischer Gegenwart


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    Sankt Peterburg–Sankt Petersburg

    Blick über die Neva auf die Kunstkammer (Jurek Arnolt)



    Reiseverlauf:

    1. Tag:
    Abfahrt ab Berlin (ca. 15.00 Uhr)

    2. Tag:
    Auf Schienen durch Polen und Weißrussland

    3. Tag:
  • Ankunft in St. Petersburg (ca. 6.30 Uhr)
  • Stadtrundfahrt per Bus mit Ausstiegen (Peter- und Paul-Festung, Panzerkreuzer ‚Aurora’, Synagoge,
  • Petrograder Seite, Vasilij-Insel, Finnischer Meerbusen u.a.)

    4. Tag:
  • Ausführlicher Innenstadtspaziergang (Nevskij Prospekt, Schlossplatz mit Winterpalais, Reiterdenkmal für Peter I., Isaaks-Kathedrale u.a.)
  • Besuch eines Sozialprojekts

    5. Tag: Literarisch-Künstlerisches St. Petersburg
  • Literarischer Spaziergang: Das Petersburg Dostojewskis
  • Besuch des Anna-Achmatova-Museums
  • Besuch des unabhängigen Kulturzentrums in der Pushkinskaja-Str., Treffen mit einem Künstler

    6. Tag:
  • Leningrad im 2. Weltkrieg: Besuch des Piskarevskoe-Gedenkfriedhofs für die Blockade-Opfer und des Blockademuseums
  • Zeit zur freien Verfügung
  • Treffen mit einem Vertreter der Menschenrechtsorganisation “Memorial”: Gespräch über die Aufarbeitung der stalinistischen Repressionen und Menschenrechte im heutigen Russland

    7. Tag: Fakultatives Programm
  • Ausflug nach Puschkin (Katharinenpalast, Bernsteinzimmer) oder Ausflug nach Peterhof (Schloss, Wasserspiele) oder Besuch der Eremitage und/oder des Russischen Museums
  • Abendliche Bootsfahrt auf der Neva oder durch die Kanäle

    8. Tag:
  • Gespräch mit einem Petersburger Journalisten zur aktuellen Situation Russlands
  • Zeit zur freien Verfügung
  • Abfahrt nach Berlin (ca. 23.00 Uhr)

    9. Tag:
    Auf Schienen durch Weißrussland und Polen

    10. Tag:
    Ankunft in Berlin (ca. 9.00 Uhr).

    Glanz- und Schattenseiten der westlichsten Stadt Russlands

    Die Gründung der Stadt im Jahre 1703 – auf dem Reißbrett geplant, außerhalb des russischen Kernlandes angelegt, während des Nordischen Krieges (1700-1721) vorangetrieben – gleicht einem gewaltig-utopischen Akt. Etwa 100.000 Leibeigene und Zwangsarbeiter verlieren ihr Leben in den Sümpfen des Neva-Deltas, schnell schreiten die Arbeiten an Peter- und Paul-Festung auf der Haseninsel, Admiralitätswerft und Hafen voran. 1709 wird eine erste Schneise für den späteren Nevskij Prospekt durch den Wald gezogen, 1711 zieht der Hof aus Moskau um, und 1712 wird Sankt Peterburg – Sankt Pieterburch – Petropolis (hergeleitet sowohl vom heiligen Petrus als auch von Zar Peter I., dem mit 2,05 Metern auch physisch Großen) Hauptstadt des Russischen Reiches. Ende des 18. Jahrhunderts ist St. Petersburg eine der größten Städte Europas, die Bevölkerungszahl hat die 250.000er-Marke überschritten, vor allem importierte Architekten (Trezzini, Leblond, Rastrelli, Vallin de la Mothe, Quarenghi) haben ihr ein strahlendes Antlitz verpasst. Die ‚Hauptstadt des tragischen Imperialismus’ (Nikolai Anziferow), die Alexander Puschkin 1833 in seinem Poem ‚Der eherne Reiter’ eindruckvoll besingt, ist etabliert und für Russland hat sich das ‚Fenster nach Europa’ geöffnet.

    Das 19. Jahrhundert ist in St. Petersburg gekennzeichnet durch die Herrschaft der Romanov-Zaren, die einerseits Stabilität garantieren und andererseits wichtige gesellschaftliche Reformen vernachlässigen, die Einbindung der Stadt in europäische Handels- und Ideenströme sowie eine mit der Industrialisierung weiter wachsende Bevölkerungszahl und entstehende soziale Spannungen – exemplarisch beschrieben in den Erzählungen Nikolaj Gogols und den Romanen Fjodor Dostojewskis, die beide die Lebenswelt der ‚kleinen Menschen’ in den Vordergrund stellen.

    Erste Anzeichen organisierter Dissidenz stellen demokratisch gesinnte Offiziere dar, deren (”Dekabristen”-)Aufstand im Dezember 1825 niedergeschlagen wird. Ende des 19. Jahrhunderts strömt sozialdemokratisches, marxistisches und revolutionäres Gedankengut in die Stadt, 1905 wird eine friedliche Demonstration vor dem Winterpalais auf Befehl von Zar Nikolaus II. blutig aufgelöst – die erste russische Revolution endet mit etwa 1000 Toten auf dem Paradeplatz, führt zur Entstehung einer Arbeiterbewegung, bringt eine Liberalisierung des Regimes und den Übergang zum ”Scheinkonstitutionalismus” (Max Weber).

    Umbrüche im 20. Jahrhundert
    Gleichzeitig wird St. Petersburg zum ”Laboratorium der Moderne” (Karl Schlögel) – Intellektuelle, Künstler, Dichter wie Achmatova, Belyj, Blok, Jessenin, Majakowski und Mandelstam prägen mit ihren Werken den Mythos der Stadt neu und bringen sie ins Bewusstsein Europas zurück.

    Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wird die Stadt aufgrund des zu deutsch klingenden Namens in Petrograd umbenannt, im Februar 1917 kommt es zu einem Generalstreik, in dessen Folge Nikolaus II. abdankt. Es beginnt die Periode der Doppelherrschaft – auf der einen Seite die bürgerliche ”Provisorische Regierung” unter Alexander Kerenskij, auf der anderen Seite der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat. Die Oktoberrevolution, vom Ablauf her eher ein Putsch, beginnt an der Neva, wirbelt das alte Russland durcheinander und verändert die soziale Struktur der Stadt radikal.

    Nach Ende des 1. Weltkrieges verlegt die Regierung ihren Sitz nach Moskau. Aufgrund von Hunger, Terror und Bürgerkrieg sinkt die Einwohnerzahl Petrograds zwischen 1916 und 1920 von 2,5 Millionen auf gut 700.000, drei Tage nach Lenins Tod wird sie im Januar 1924 in Leningrad umbenannt.

    Im Dezember 1934 wird der junge Leningrader Parteisekretär Sergej Kirov ermordet – die Tat ist der Beginn der stalinistischen ”Säuberungen”, die die Stadt als Konkurrentin der Zentrale in Moskau besonders hart treffen. Kaum hat sie sich davon erholt, beginnt mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion und mit dem schnellen Vorrücken der Heeresgruppe Nord am 8. September 1941 die Blockade Leningrads. Erklärtes deutsches Kriegsziel ist es, die Bevölkerung der Stadt systematisch auszuhungern. Im November 1941 sinkt die tägliche Brotration auf 125 Gramm, die Infrastruktur bricht zusammen und nur dank einer Verbindung über den zugefrorenen Ladoga-See kann die Stadt rudimentär versorgt werden. Nach knapp 900 Tagen endet die Blockade am 27. Januar 1944, insgesamt kommen etwa eine Million Menschen ums Leben, derer auf dem Piskarevskoe-Gedenkfriedhof im Norden der Stadt gedacht wird.

    Von Mitte der 40er bis Ende der 80er Jahre verliert Leningrad politisch weiter an Einfluss, ausgelöst hauptsächlich durch Entscheidungen im rivalisierenden Moskau. Wirtschaftlich wird die Stadt zu einem Zentrum des militärisch-industriellen Komplexes ausgebaut und leidet daher besonders unter der Abgeschlossenheit des Eisernen Vorhangs. Es bilden sich jedoch langsam erste dissidentische Kreise, zu denen auch der 1972 des Landes verwiesene, spätere Literaturnobelpreisträger Josif Brodskij gehört.

    St. Petersburg kommt zurück
    Ausgelöst durch die Reformpolitik Michail Gorbatschows entsteht Ende der 80er Jahre eine Vielzahl von politischen, sozialen und kulturellen Initiativen. Ein Beispiel ist die Menschenrechtsorganisation ‚Memorial’, die sich zunächst mit der Aufarbeitung stalinistischer Repressionen beschäftigt, später zu einer der prominentesten Kritikerinnen der Kriege in Tschetschenien wird und 2004 für ihre Arbeit den Alternativen Nobelpreis erhält. In einer Volksabstimmung im September 1991 erhält die Stadt ihren alten Namen zurück, die Einwohner beginnen wieder damit, ihre Heimatstadt liebevoll ‚Piter’ zu nennen. St. Petersburg gelangt – spätestens mit den Feierlichkeiten zum 300-jährigen Stadtgeburtstag 2003 – wieder zurück ins Interesse der europäischen Öffentlichkeit. Zum neu aufpolierten Glanz gehören jedoch auch die Schattenseiten: ein Großteil der Bevölkerung hat durch die wilde Privatisierung im Rahmen der wirtschaftlichen Schocktherapie Anfang der 1990er und die Rubelkrise 1998 gleich zweimal ihre Ersparnisse verloren. Auf engstem Raum leben nun im Stadtzentrum arm und reich Gewordene zusammen, die Verwaltung macht wenig Geld für dringend notwendige Verbesserungen der maroden kommunalen Infrastruktur locker und so bietet die Stadt heute ein permanentes Wechselbild von goldenem Glanz, angenehmer Normalität und nicht zu übersehenden Schattenseiten.

    Inklusivleistungen:

  • Vorbereitungsmaterialien
  • Visagebühr und - beschaffung
  • Bahnreise Berlin–St. Petersburg–Berlin im Schlafwagen (3 - Bett - Abteile)
  • 5 Übernachtungen im DZ (Dusche/WC) in einem ordentlichen Mittelklassehotel in St. Peterburg
  • Halbpension (6 Tage)
  • Extrafrühstück am Ankunftstag
  • Komplette Programmkosten (außer fakultatives Programm am 7. Tag), Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL, russische Reiseleitung)

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     Preise 
     Teilnehmer: 8-20 Pers.

    Reisedauer: 10 Tage

    Preis: ab 1.120,- €
  • Einzelzimmer: 130,- bis 190,- €
  • Schlafwagen Berlin–St. Petersburg–Berlin im 2-Bett-Abteil: 100,- €
  • Eigene Anreise bis/ab St. Petersburg: -210,- €
  • Visumservice inkl. Konsulatsgebühren: ab 0,- € mehr Infos >

    Alle Termine & Preise >
     

     Reisetermine 
     01.06. - 10.06.2012 verfügbar
    13.07. - 22.07.2012 verfügbar

    Legende:
    verfügbar = verfügbar
    ausgebucht = ausgebucht
     

     Abfahrtsorte 
     
    Ab / bis Berlin
     

     Einreisebestimmungen 
     Russland:
    Visum erforderlich, notwendig sind dazu der 3 Monate über den Aufenthalt hinaus gültige Reisepass, ein ausgefülltes Visumantragsformular, eine Visumbefürwortung, ein Einkommensnachweis (nur für Deutsche Staatsbürger) sowie der Nachweis einer Auslandsreise - Krankenversicherung. Für Bürger aus Drittländern ist eine Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland erforderlich, ansonsten muss das Visum im Heimatland beantragt werden.
     

     Reiseveranstalter 
     Ex Oriente Lux Reisen GmbH
    Berlin, Deutschland
    AGB >
     

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    Letztes Update: 06.02.2012