Estland - Eesti: Tallinn–Reval und Tartu–Dorpat
Reise Nr. 106
Auf unserer Reise in die Universitätsstadt Tartu, auf deren Rathausplatz ein Denkmal für ein sich liebendes Paar zu bewundern ist, und die alte Hansestadt Tallinn mit ihrer fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Altstadt aus Domberg und Unterstadt beschäftigen wir uns mit folgenden Themen:
- Estland unter dänischer, deutscher, schwedischer und russischer Herrschaft
- Tallinns Geschichte als Hansestadt und Hauptstadt des unabhängigen Estland
- Die Universität Tartu und das Verhältnis zwischen Tartu und Tallinn
- Exkursion zum Peipussee, der natürlichen Grenze zwischen Alt-Livland/Estland und Russland, heute EU-Außengrenze
- Die russisch geprägte Stadt Narva, das Verhältnis zwischen Estland und Russland und die Situation der russischsprachigen Minderheit heute
- Kurort im Zarenreich und heute: Die Stadt Haapsalu an der Westküste Estlands
- Ländliches Leben auf der Insel Muhu
- Juden in Estland und ihre soziale Situation
- Estnische Literatur (Kreutzwald, Tammsaare, Koidula, Vilde, Kross u.a.)
- Gespräche mit einer Germanistin, einem Wissenschaftler, einem Journalist sowie Vertretern der jüdischen Gemeinde und der russischsprachigen Minderheit vermitteln Hintergrundwissen
Reiseverlauf:
1. Tag:
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3. Tag:
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6. Tag:
7. Tag
8. Tag
9. Tag
Transfer nach Tallinn. Individuelle Abreise ab Tallinn
Die Esten auf dem Weg nach Westen
Das Gebiet des heutigen Estland, Teil des historischen Livland, erhielt bereits vom 7. bis 11. Jahrhundert 'Besuch' von den Wikingern aus dem Westen und im Jahre 1030 von den Russen aus dem Osten, die die Burg von Dorpat erstürmten und dort eine eigene Festung errichteten, die sie allerdings Anfang des 12. Jahrhunderts wieder aufgeben mussten. Als folgenreicher erwies sich die von Bischof Albert, seit 1201 Herr über Riga, erbetene Visite dänischer Truppen, die 1219 an Land gingen und auf dem heutigen Domberg von Tallinn die dortige estnische Burg eroberten und eine eigene erbauten. Sie gaben ihr den Namen Reval (abgeleitet von der altestnischen Provinz Rävala), erst später setzte sich der Name Tallinn (estnisch für Taani = dänisch und linn = Stadt) durch.
Nach den estnischen Bauernaufständen, die in der Georgennacht vom 23. April 1343 gipfelten, verkaufte der dänische König seinen estnischen Besitz an den Deutschen Orden, und eine Jahrhunderte währende soziale Struktur begann sich herauszubilden: die politischen Machthaber (in zeitlicher Abfolge Deutsche, Schweden und Russen), eine adlige deutsche Oberschicht, ein – ab Anfang des 16. Jahrhunderts – protestantischer Klerus (in Tallinn allesamt auf dem Domberg, in der so genannten Oberstadt, konzentriert), eine sich dynamisch entwickelnde Schicht deutscher Kaufleute und Handwerker (in Tallinn in der Unterstadt lebend) und die ‚undeutsche’, estnische Bevölkerungsmehrheit am Rande der Städte und auf dem Land in Leibeigenschaft der Gutsherren.
Mit dem Ende des Livländischen Krieges (1558-1582), in dem bis auf Tallinn alle Städte zerstört und drei Viertel aller Bauernhöfe aufgegeben wurden, begann die 'Schwedenzeit', deren Vorgeschichte und Anfänge Gegenstand des Romans 'Das Leben des Balthasar Rüssow' sind, dem magnum opus des 2007 verstorbenen Schriftstellers Jaan Kross. Die Herrschaft der Schweden brachte die Reformation, Erleichterungen für die Bauern, soziale Reformen und 1632 mit der Gründung der 'Academia Gustaviana' eine Universität mit hauptsächlich deutschen Professoren nach Dorpat/Tartu.
Mit dem Nordischen Krieg 1700 bis 1721 kam Estland in russische Hände, doch Verwaltung und Amtssprache blieben deutsch dominiert, der Adel und die Gutsherren profitierten, während die Bauern Rechte verloren. Zwar wurde am 8. Januar 1817 die Leibeigenschaft formal aufgehoben, doch dauerte es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, dass ein gesellschaftlicher Emanzipationsprozess der Esten einsetzte. Die wichtigsten Etappen sind die Veröffentlichung des Nationalepos 'Kalevipoeg' 1857-61 durch Friedrich Reinhold Kreutzwald (der wie viele Esten einen deutschen Namen trug, den sein Vater bei der Bauernbefreiung erhielt) sowie die Gründung der Zeitung Eesti Postimees 1857 und die Organisation des ersten Liederfestes 1869 in Tartu, beides durch Johann Woldemar Jannsen.
Der deutschbaltische Adel, der unter den Russen lange Zeit gut gelebt hatte, geriet Ende des 19. Jahrhunderts gleich mehrfach unter Druck: Zum einen wurde er mit Russifizierungsmaßnahmen der zaristischen Verwaltung konfrontiert, die jedoch auch die Esten trafen, zum anderen mit deren gesellschaftlichem Aufstieg, der seinerseits mit der Industrialisierung verbunden war. Nach der ersten Russischen Revolution 1905 brannten viele deutsche Gutshöfe, fast alle Erhebungen wurden jedoch mit Hilfe der russischen Truppen niedergeschlagen.
Das 20. Jahrhundert: Unabhängigkeit, Okkupation und wieder Unabhängigkeit
Im Ersten Weltkrieg blieb Estland, anders als Lettland und Litauen, bis 1917 ganz in russischer Hand und erhielt nach der Februarrevolution ein Autonomiestatut, am 24. Februar 1918 wurde in Tallinn die Unabhängigkeit proklamiert. Diese musste zunächst gegen deutsche, dann gegen bolschewistische Truppen verteidigt werden, erst im Februar 1919 war Estland wieder frei.
Der erste Ministerpräsident Konstantin Päts war die entscheidende Figur der Zwischenkriegszeit: in einer instabilen Demokratie mit dreijährigen Legislaturperioden und einem breitem Parteienspektrum sorgte er für eine gewisse Kontinuität.
Nachdem in der Folge des Molotow-Ribbentrop-Paktes die baltischen Staaten im August 1939 der sowjetischen Einflusssphäre zugeschlagen worden waren, endete das erste freie Estland mit der Besetzung durch sowjetische Truppen am 17. März 1940. Im Oktober 1939 wurden knapp 12.000 Deutschbalten ‚heim ins Reich’ geholt. Noch vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurden Mitte Juni 1941 gut 20.000 Esten nach Sibirien deportiert. Die Wehrmacht marschierte am 6. Juli ein, der aus Tallinn stammende Alfred Rosenberg wurde Minister für die besetzten Ostgebiete. Von den etwa 4.000 vor dem Krieg in Estland lebenden Juden konnte sich die Mehrheit ostwärts retten, die anderen wurden innerhalb weniger Monate ermordet. Ab Ende 1942 wurde Estland zur Durchgangsstation für deportierte Juden, die überwiegend aus dem Ghetto von Wilna kamen und in den Lagern von Vaivara und Klooga durch Arbeit vernichtet wurden.
Der ersten sowjetischen Okkupation des Landes folgte 1944 die zweite, wieder wurden Zehntausende verschleppt, von denen nur wenige zurückkamen. Bis Mitte der 1950er Jahre kämpften antisowjetische Partisanen, 'Waldbrüder' genannt, gegen die Politik der Zwangskollektivierung auf dem Lande und die beginnende Russifizierung des Landes, deren Resultat Ende der 1980er darin bestand, dass die Esten nur noch 61% der Bevölkerung stellten. In der 'singenden Revolution', eingeleitet durch die Menschenkette von Tallinn bis Vilnius am 60. Jahrestag des Molotow-Ribbentrop-Paktes, erkämpfte sich Estland die Freiheit zurück und erklärte sich nach dem Moskauer Putsch am 20.8.1991 zum zweiten Mal im 20. Jahrhundert für unabhängig.
Rasante Wirtschaftsreformen, eine sehr junge und energische Regierung, Vorteile aus der geografischen und sprachlichen Nähe zu Finnland, ein streitbarer Umgang mit der russischsprachigen Bevölkerung, ökologische Probleme und der Untergang der “Estonia”: dies waren die Kennzeichen der ersten Jahre der Transformation. Mittlerweile ist Estland ein kleines, aber feines Mitglied der Europäischen Union, das 2011 als erster baltischer Staat den Euro einführte. Neben Tallinn (Europäische Kulturhauptstadt 2011) als alter Perle mittelalterlicher Stadtbaukunst und Tartu, seiner sympathisch jugendlichen Provinz-“Konkurrenz”, bietet Estland weitere reizvolle Kleinstädte und eine bezaubernde Landschaft, die zum Verweilen und Kennenlernen einladen.
Im Reisepreis enthalten
- Vorbereitungsmaterialien
- Alle Bustransfers
- 8 Übernachtungen in DZ (Bad/WC) in den Mittelklassehotels “Dorpat” in Tartu (2), ”Inger” in Narva (1), “Gotthard Residence' in Tallinn (3), ”Promenaadi” in Haapsalu (2)
- Halbpension (8 Tage)
- Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL und estnische Reiseleitung)
- Mindestteilnehmerzahl: 8
- Maximale Teilnehmerzahl: 20
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